Zurückgelegte Strecke: ca. 290 km
Start: Goch (Deutschland)
Ziel: Brüssel (Belgien)
Zwischenstopps: Nijmegen · Antwerpen · Doel
Irgendwann muss man einfach losfahren. Monatelang haben wir geplant, geschraubt, den Bus lackiert, Routen gewälzt, Campingplätze markiert und uns gefragt, ob das alles wirklich funktioniert. Und dann, an diesem Montagmorgen in Goch, war es so weit: Türen zu, Motor an, erster Kilometer. Ab hier zählt nur noch die Straße.
Der Weg führt uns fast sofort über die Grenze – erst rüber nach Nijmegen in die Niederlande, dann runter Richtung Antwerpen. Antwerpen empfängt uns mit dem, wofür die Stadt bekannt ist: einem der größten Häfen Europas, Kränen bis zum Horizont und einer Altstadt, die sich davon völlig unbeeindruckt zeigt. Für den ersten Tag genau die richtige Mischung aus „wir sind wirklich unterwegs" und „so weit sind wir noch gar nicht weg von zu Hause".
Lag schon da, als wir ankamen: die ARC Gloria, Segelschulschiff der kolumbianischen
Marine, über die Toppen geflaggt an der Schelde-Kaimauer – GPS: 51.224 N, 4.398 E
Der Zufall des Tages kommt später: Die Gloria legt ab, während wir wieder an der Kaimauer stehen. Die Kadetten stehen oben auf den Rahen – in Rot, Blau und Gelb, den Farben der kolumbianischen Flagge – und winken, zwei Schlepper ziehen den Dreimaster in den Strom. Da winkt man automatisch zurück.
Abschied mit Flaggengala: die Gloria verlässt Antwerpen, die Kadetten in den Rahen,
zwei Schlepper als Eskorte
Das eigentliche Highlight kommt aber ein paar Kilometer weiter westlich, direkt an der Schelde: Doel. Ein Dorf, das eigentlich keins mehr sein darf. Zwischen Hafenerweiterung und Kernkraftwerk gelegen, sollte Doel abgerissen werden – die meisten Bewohner sind längst weg, viele Häuser stehen leer. Was daraus geworden ist, ist einer der eindrucksvollsten Orte der ganzen Reise: eine halb verlassene Geisterstadt, deren Wände über und über mit Streetart und Graffiti bedeckt sind. Man läuft durch leere Straßen, hinter jeder Ecke ein neues Motiv, und im Hintergrund dampfen die Kühltürme. Surreal, ein bisschen unheimlich, und für uns der erste „Wow, dafür sind wir losgefahren"-Moment.
Die riesige Ratte des Streetart-Künstlers ROA in Doel – GPS: 51.312 N, 4.265 E
Am Abend rollen wir weiter nach Brüssel. Große Stadt, kleines Ankommen – nach so einem dichten ersten Tag reicht es für einen ersten Eindruck, den Rest heben wir uns für später auf.
Pflichtprogramm in Brüssel: die Crew vor dem Atomium – GPS: 50.892 N, 4.344 E
Sightseeing & Tipps
Doel – das Geisterdorf mit Streetart. Der absolute Geheimtipp dieser Etappe. Doel liegt am linken Schelde-Ufer gegenüber von Antwerpen, direkt neben dem Kernkraftwerk und dem stetig wachsenden Hafen. Seit den 1990ern ist das Dorf vom Abriss bedroht, weil der Hafen sich ausdehnen soll. Statt komplett zu verschwinden, wurde Doel zur Leinwand: Streetart-Künstler aus ganz Europa haben die leerstehenden Häuser bemalt. Wer morbide Faszination und Fotomotive mag, sollte hier unbedingt anhalten. Bitte respektvoll bleiben – es ist kein Freizeitpark, sondern ein Ort mit einer echten, konfliktreichen Geschichte, und einige wenige Bewohner harren bis heute aus.
Antwerpen. Wenn Zeit bleibt: die Kathedrale Unserer Lieben Frau (mit Werken von Rubens), der prachtvolle Bahnhof Antwerpen-Centraal (gilt als einer der schönsten Bahnhöfe der Welt) und das MAS-Museum mit Dachterrasse und Blick über Stadt und Hafen. Antwerpen ist außerdem die Diamantenstadt schlechthin.
Brüssel. Für den schnellen Pflichtbesuch: Grand-Place / Grote Markt, der Grote Markt bei Nacht beleuchtet, das Atomium im Norden der Stadt und natürlich Pommes, Waffeln und belgische Schokolade. Wer nur eine Nacht bleibt, sollte sich einfach durch die Gassen rund um den Grand-Place treiben lassen.
Praktisch für den ersten Tag: In Belgien ist Diesel meist etwas günstiger als in Deutschland – der erste Tank vor der langen Frankreich-Etappe lohnt sich hier.